Sonntag, 29. Januar 2012

Kinder

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft niemals rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit seiner Macht, damit Seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931

Kommentare:

  1. Danke für dieses Gedicht. Ich mag eigentlich alle Gedichte der Sammlung, aber dieses berührt mich immer am meisten.

    Liebe Sonntagsgrüße, Petruschka

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  2. wir sind in einer großen Verantwortung ihre Talente selbst entdecken zu lassen und zu fördern, die eigenen Wege selbst entdecken zu lassen, Geduld zu haben und abwarten zu können, ihnen Freiräume, Fehler und Erfahrungen zu ermöglichen
    und ihnen auch Ruhe geben....
    die Hektik aus dem Alltag nehmen, um das alles zu ermöglichen,
    ich bin immer sprachlos, wie voll verplant Kinder heute sind, wie sollen sie dann sich selbst noch spüren können auch mal nur herumstromern, .....
    Frauke

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