Sonntag, 23. Oktober 2011

Wo du geliebt wirst ...

  
Wo du geliebt wirst,
kannst du getrost alle Masken ablegen,
darfst du dich frei und ganz offen bewegen.
Wo du geliebt wirst,
zählst du nicht nur als Artist,
wo du geliebt wirst,
darfst du so sein, wie du bist.
Wo du geliebt wirst,
mußt du nicht immer nur lachen,
darfst du es wagen, auch traurig zu sein.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Fehler machen
und du bist trotzdem nicht häßlich und klein.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Schwächen zeigen
oder den fehlenden Mut,
brauchst du die Ängste nicht zu verschweigen,
wie das der Furchtsame tut.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Sehnsüchte haben,
manchmal ein Träumender sein,
und für Versäumnisse, fehlende Gaben
räumt man dir mildernde Umstände ein.
Wo du geliebt wirst,
brauchst du nicht ständig zu fragen
nach dem vermeintlichen Preis.
Du wirst von der Liebe getragen,
wenn auch unmerklich und leis.

Elli Michler


Sonntag, 2. Oktober 2011

Herbstlied




Ich weiß, dass ich ein Nachklang
ferner Zeiten bin, ein Ton
im Spiel der Weltenharmonie.
Ich weiß, dass auch mein Lebensgang
ein Teil ist jener Symphonie,
die sich vererbt von Sohn zu Sohn 
in ewig wechselndem Gesang.

Stefan Grimm


Mittwoch, 14. September 2011

Heilkräuter

Gegen jedes Zipperlein ist ein Kraut gewachsen. Letztes Jahr auf einem Markt fragte mich eine Kundin: "Warum
gibt es denn hier keine Kräuter oder Heilpflanzen?" Und ob ich nicht welche machen könnte.
Nun ist das erste Heilkräuterlein fertig: Das Schöllkraut. Diese Pflanze wächst gerade zuhauf in unserem Garten und wir können sie auch gerade gut gebrauchen, weil sie ein gutes Warzenmittel ist, da unser Jüngster ein bisschen an Warzen leidet.

Schöllkraut wird aufgrund seines unauffälligen Aussehens oft für "Unkraut" gehalten, das zu nichts nutze ist. Der gelbliche Pflanzensaft tritt nach Abbrechen des Stengel aus. Trägt man diesen Saft auf Warzen auf, so verschwinden diese nach einigen Tagen.

Schon von alters her ist es eine beliebte starke Heilpflanze für Leber und Galle. In der Naturheilkunde verwendet man es auch bei Gelbsucht, bei Leberleiden, bei Verstopfung und selbst bei Gallensteinen.

Heutzutage wird Schöllkrauttee als Einzeldroge fast nicht mehr verwendet, man verwendet es oft zusammen mit anderen Kräutern. Wissenschaftlich nachgewiesen ist die Wirkung des Schöllkrauts bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenblase sowie im Magen- und Darmtrakt.

Das Schöllkraut kann auch als Tinktur oder als Presssaft verwendet werden. Von dem Presssaft sollte man jedoch nur geringe Mengen verwenden. Der gelbe Saft der Pflanze ist stark hautreizend.

Samstag, 10. September 2011

Spätsommer



Die Spinnen ziehen ihre Fäden übers Land,
die Falter kreisen um Laternen 
und zu den weit entfernten Sternen 
webt Sehnsucht jetzt ein starkes Band.
 
Im Überfluss opfert sich die Natur,
bringt Früchte für die kalte Zeit,
vollendet in Gelassenheit
des Lebens lange Spur,

die an ein Ende führt,
in eine Winternacht,
in deren Dunkel Frühlingspracht
des Daseins Feuer schürt.

Stefan Grimm


Sonntag, 4. September 2011

Die Bären sind los ...



Für alle Bären-Fans und die, die es spätestens nach dem Besuch im Blog Bären in Haus und Garten geworde sind:
Allen, die nicht davon ausgehen, das 2012 die Welt untergeht, möchte ich allerwärmstens den überaus liebevoll gestalteten Postkarten-Kalender "Teddy & Co entdecken die Welt" von Wolfgang Hein ans Herz legen. Er ist im Kawohl Verlag in Wesel erschienen und macht jeden Monat des kommenden Jahres zu einem freudig-humorvoll-nachdenklichen Ereignis.



Samstag, 20. August 2011



Gesang der Geister über den Wassern

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

 ( Johann Wolfgang von Goethe )


Dienstag, 16. August 2011

Kornblume

Lange hat sie auf ihreVollendung gewartet,
jetzt bin ich mit der Blüte zufrieden. 
 

Kornblumen flecht ich dir zum Kranz

Kornblumen flecht’ ich dir zum Kranz
Ins blonde Lockenhaar.
Wie leuchtet doch der blaue Glanz
Auf goldnem Grund so klar!
Der blaue Kranz ist meine Lust;
Er sagt mir stets aufs neu,
Wohl keine sei in tiefster Brust
Wie du, mein Kind, so treu.
Auch mahnt sein Himmelblau zugleich
Mich heimlich süßer Art,
Daß mir ein ganzes Himmelreich
In deiner Liebe ward.

(Emanuel Geibel)

Samstag, 13. August 2011

Elternlied





Kinder laufen fort
Lang her kann's noch gar nicht sein,
kamen sie zur Tür herein,
saßen zwistiglich vereint
alle um den Tisch.

Kinder laufen fort.
Und es ist schon lange her.
Schlechtes Zeugnis kommt nicht mehr.
Stunden, Ärger, Stunden schwer:
Scharlach, Diphtherie!

Kinder laufen fort.
Söhne hangen Weibern an.
Töchter haben ihren Mann.
Brief kommen, dann und wann,
nur auf einen Sprung.

Kinder laufen fort.
Etwas nehmen sie doch mit.
Wir sind ärmer, sie sind quitt,
und die Uhr geht Schritt für Schritt
um den leeren Tisch.

(Franz Werfel)





Sonntag, 7. August 2011

Mohn



Ein Augenblick hat da geglüht
 
In einer blauen Hügelwelt
Bei einer Amsel Sehnsuchtton
Ein großes, grünes Roggenfeld,
Und drinnen feuerroter Mohn.
Wie ein Laternlein jede Blüt,
Und brennen röter als der Tag.
Ein Augenblick hat da geglüht,
Der lang noch nicht erlöschen mag.


Max Dauthendey (1867-1918)


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