Freitag, 11. März 2011
Samstag, 5. März 2011
Überlass es der Zeit
Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.
Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du's überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.
Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du's überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.
Sonntag, 27. Februar 2011
Leporello
Nach langer, langer Zeit ist wieder mal ein Leporello entstanden. Wir benutzen es gerne mit den Tageskindern um die ersten Wörter zu üben. Die größeren Kinder benutzen es gerne mal als Schal oder schwingen es hin und her, indem sie die Kordelenden festhalten.
Sonntag, 20. Februar 2011
Donnerstag, 10. Februar 2011
Valentinchen
oder Liebesbotin
Die Blumenkinder von Sybille Adolphi haben mir schon immer gefallen, aber meine Buben bevorzugten lieber Autos, so habe ich mich lange nicht an die Blumenkinder gewagt. In unserer Bastelgruppe haben wir dann doch einmal gewagt eines zu basteln mit mäßigem Erfolg: Es lag 1 Jahr lang unvollständig in der Bastelkiste und harrte da ob ihrer Vollendung. Beim Durchstöbern und Aufräumen der Kiste stellte sich mir die Frage: Wegschmeißen oder fertigstellen? Ich habe mich für zweiteres entschieden und ab da war ich infiziert. Seit nunmehr 4 Jahren entstehen immer wieder neue Blumenkinder nach eigenen Schnitten, die ich anhand von Blumenzeichnungen oder Originalblüten nach eigenem Empfinden anfertige.
Die Schönheit der Dinge liegt immer im Auge des Betrachters.
Dienstag, 8. Februar 2011
Mittwoch, 2. Februar 2011
Ich bin in Sehnsucht eingehült
bangem Weh. Es ist in mir so kalt und leer, daß
ich vor Angst vergeh'.
Die Vögel ziehn gen Mittag hin, sie sind schon
lange fort. Schon seh' ich keine Aster blühn,
und auch die letzten Falter fliehn, die Berge
sind mit Herbst umflort.
Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, ich sehne mich
nach dir. Mein heißes Sehnsuchtslied erfüllt
die Welt und mich mit ihr.
Der Regen, der eintönig rauscht, begleitet
meinen Sang. Und wer dem Regenliede lauscht und
wer sich an dem Weh berauscht, der hört auch
meines Liedes Klang.
Nur du allein, du hörst es nicht - ach, weiß ich
denn, warum? Und wenn mein Lied einst gell,
zerbricht, du bleibst auch kalt und stumm.
Dir macht es nichts, wenn jeder Baum mitleidig
fleht: so hör! Du gehst vorbei und siehst mich
kaum, als wüßtest du nicht meinen Traum,
und 's fällt dir nicht mal schwer.
Und doch bist du so bleich bedrückt, wie einer
der versteht, der seine Seufzer schwer erstickt
und schwer beladen geht.
Und doch ist Weh in deinem Blick, um deine
Lippen Leid. Verloren hast du wohl das Glück,
es kommt wohl nimmermehr zurück, und du -
du bist »befreit«.
Nun ja, das Glück war dir zu schwer, du hast es
hastig-wild verstreut, und nun sind deine
Hände leer, es füllt sie nur noch Einsamkeit.
So stehst du da und wirfst den Kopf mit starrem
Trotz zurück, und sagst, was du ja selbst nicht
glaubst - »Ich pfeife auf das Glück!«
Und dann, wenn es schon längst vorbei, stehst du
noch da und starrst ihm nach, dann sehnst du
es so heiß herbei, es ist dir nicht mehr einerlei
- dann bist du plötzlich wach.
Zurück jedoch kommt es nie mehr - denn rufen
willst du nicht, und wäre die Leere so unendlich
schwer, daß dein Rücken darunter bricht.
So tragen wir beide dasselbe Leid, ein jeder für
sich allein. Mich krönt aus Tränen ein schweres
Geschmeid' und dich ein Sehnsuchtsedelstein.
Und der Wind singt uns beiden den ewigen Sang
von Sehnen und Verzicht, doch auch wenn es
dir zum Sterben bang - du rufst mich trotzdem nicht.
6. 11. 1941
Selma Meerbaum-Eisinger, ein jüdisches Mädchen, das träumte und Gedichte schrieb. Sie starb mit achtzehn Jahren im Arbeitslager Michailowska jenseits der Bug.
ich vor Angst vergeh'.
Die Vögel ziehn gen Mittag hin, sie sind schon
lange fort. Schon seh' ich keine Aster blühn,
und auch die letzten Falter fliehn, die Berge
sind mit Herbst umflort.
Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, ich sehne mich
nach dir. Mein heißes Sehnsuchtslied erfüllt
die Welt und mich mit ihr.
Der Regen, der eintönig rauscht, begleitet
meinen Sang. Und wer dem Regenliede lauscht und
wer sich an dem Weh berauscht, der hört auch
meines Liedes Klang.
Nur du allein, du hörst es nicht - ach, weiß ich
denn, warum? Und wenn mein Lied einst gell,
zerbricht, du bleibst auch kalt und stumm.
Dir macht es nichts, wenn jeder Baum mitleidig
fleht: so hör! Du gehst vorbei und siehst mich
kaum, als wüßtest du nicht meinen Traum,
und 's fällt dir nicht mal schwer.
Und doch bist du so bleich bedrückt, wie einer
der versteht, der seine Seufzer schwer erstickt
und schwer beladen geht.
Und doch ist Weh in deinem Blick, um deine
Lippen Leid. Verloren hast du wohl das Glück,
es kommt wohl nimmermehr zurück, und du -
du bist »befreit«.
Nun ja, das Glück war dir zu schwer, du hast es
hastig-wild verstreut, und nun sind deine
Hände leer, es füllt sie nur noch Einsamkeit.
So stehst du da und wirfst den Kopf mit starrem
Trotz zurück, und sagst, was du ja selbst nicht
glaubst - »Ich pfeife auf das Glück!«
Und dann, wenn es schon längst vorbei, stehst du
noch da und starrst ihm nach, dann sehnst du
es so heiß herbei, es ist dir nicht mehr einerlei
- dann bist du plötzlich wach.
Zurück jedoch kommt es nie mehr - denn rufen
willst du nicht, und wäre die Leere so unendlich
schwer, daß dein Rücken darunter bricht.
So tragen wir beide dasselbe Leid, ein jeder für
sich allein. Mich krönt aus Tränen ein schweres
Geschmeid' und dich ein Sehnsuchtsedelstein.
Und der Wind singt uns beiden den ewigen Sang
von Sehnen und Verzicht, doch auch wenn es
dir zum Sterben bang - du rufst mich trotzdem nicht.
6. 11. 1941
Selma Meerbaum-Eisinger, ein jüdisches Mädchen, das träumte und Gedichte schrieb. Sie starb mit achtzehn Jahren im Arbeitslager Michailowska jenseits der Bug.
Freitag, 21. Januar 2011
Award und eine kleine geschichte des Schenkens
Von Anna habe ich einen Award bekommen, den ich aus innerer Überzeugung abgelehnt habe. Diese Überzeugung hat verschiedene Gründe, die ich hier nicht erläutern möchte.
Dafür eine kleine Geschichte des Schenkens:
Der Brauch, anderen Menschen etwas zu schenken, ist so alt wie die Menschheit selbst. Leben ist Austausch, ist Geben und Nehmen. Zu diesem Kreislauf gehört das Schenken dazu. Es ist gewissermaßen eine Form des Gütererwerbs - und zwar in ihrer reinsten Form, die selbstloseste.
Lange Zeit war die Wissenschaft der Meinung, Tausch sei die älteste Form, zu Gütern zu kommen. Inzwischen vertreten die meisten Völkerkundler jedoch die Meinung, Schenken sei noch älter.
Versuchen wir, dem Begriff "Schenken" auf die Spur zu gehen. Für Jacob Grimm, nicht nur als Märchensammler, sondern auch als Sprachforscher zu hohen Ehren gelangt, besteht die Herkunft in der Verbindung mit "einschenken", also jemandem etwas zu trinken geben - hier ist der angebotene Trank das Geschenk.
Die Grundbedeutung des Wortes "schenken" ist übrigens "schief halten" (vom Germanischen "skanka", schief).
Einen besonders tiefen Sinn hat das Schenken im Christentum. Aber nicht nur im Christentum, auch in den anderen großen Religionen spielt der Aspekt der Freigiebigkeit eine zentrale Rolle.
Somit ist Schenken, also das sich Trennen von Gut und Geld, ein Handeln mit religiösen Wurzeln. Wer schenkt, soll dies freudig tun, er soll es aus Nächstenliebe und Mitgefühl heraus tun - nicht aus Berechnung oder weil er es als lästiges Übel empfindet.
Wir sehen: Nur selbstloses Schenken ist wahres Schenken. Aber wir sind sicher ehrlich genug, wenn wir feststellen, dass diese Art des Schenkens heute eher die Ausnahme ist.
Die Grundbedeutung des Wortes "schenken" ist übrigens "schief halten" (vom Germanischen "skanka", schief).
Einen besonders tiefen Sinn hat das Schenken im Christentum. Aber nicht nur im Christentum, auch in den anderen großen Religionen spielt der Aspekt der Freigiebigkeit eine zentrale Rolle.
Somit ist Schenken, also das sich Trennen von Gut und Geld, ein Handeln mit religiösen Wurzeln. Wer schenkt, soll dies freudig tun, er soll es aus Nächstenliebe und Mitgefühl heraus tun - nicht aus Berechnung oder weil er es als lästiges Übel empfindet.
Wir sehen: Nur selbstloses Schenken ist wahres Schenken. Aber wir sind sicher ehrlich genug, wenn wir feststellen, dass diese Art des Schenkens heute eher die Ausnahme ist.
Sei zum Geben stets bereit,
Miss nicht kärglich deine Gaben.
Denk, in deinem letzten Kleid
Wirst du keine Taschen haben.
Paul Heyse (1830-1914)
Mittwoch, 12. Januar 2011
Sei still ...
Als ich der Mutter meinen Kummer klagte,
Ich höre noch, was sie dem Kinde sagte
Mit einem Lächeln, wie ich’s nie gesehn -
“Sei still, es wird vorübergehn.”
So hielt ich still. Und manches ging vorüber.
Denn alles geht vorüber mit der Zeit:
Das große Glück. Das Frösteln und das Fieber.
Selbst ein Novembertag, ein noch so trüber.
Beständig bleibt nur Unbeständigkeit.
Als dann der große Zweifel an mir nagte,
Ich wusste schon, daß man es keinem klagte
Und daß sogar die Freunde mißverstehn -
So oft ich damals an mir selbst verzagte,
war es die leise Stimme,die mir sagte:
Sei still, es wird vorübergehn.
Was ist nicht alles schon dahingegangen
Wie Schneegestöber und wie Windeswehn…
und dennoch hab ich jetzt erst angefangen,
Den Dingen auf den Grund zu sehn.
Wer nichts begehrt, der ist nicht zu berauben,
Gespenster sind nur dort, wo wir sie glauben.
Ich habe lange, lange nicht geklagt.
Nichts tut das Leid dem, der “es tut nichts” sagt.
Sei der du bist. Mag kommen, was da will.
Es geht an dir vorüber, bist du still.
Ich höre noch, was sie dem Kinde sagte
Mit einem Lächeln, wie ich’s nie gesehn -
“Sei still, es wird vorübergehn.”
So hielt ich still. Und manches ging vorüber.
Denn alles geht vorüber mit der Zeit:
Das große Glück. Das Frösteln und das Fieber.
Selbst ein Novembertag, ein noch so trüber.
Beständig bleibt nur Unbeständigkeit.
Als dann der große Zweifel an mir nagte,
Ich wusste schon, daß man es keinem klagte
Und daß sogar die Freunde mißverstehn -
So oft ich damals an mir selbst verzagte,
war es die leise Stimme,die mir sagte:
Sei still, es wird vorübergehn.
Was ist nicht alles schon dahingegangen
Wie Schneegestöber und wie Windeswehn…
und dennoch hab ich jetzt erst angefangen,
Den Dingen auf den Grund zu sehn.
Wer nichts begehrt, der ist nicht zu berauben,
Gespenster sind nur dort, wo wir sie glauben.
Ich habe lange, lange nicht geklagt.
Nichts tut das Leid dem, der “es tut nichts” sagt.
Sei der du bist. Mag kommen, was da will.
Es geht an dir vorüber, bist du still.
Aus: Mascha Kaleko Mein Lied geht weiter Hundert Gedichte
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